Ein Jahr Bundesministerium für Verkehr: Eine Bilanz
Ein Jahr nach der Gründung des Bundesministeriums für Verkehr ziehen wir Bilanz. Haben die ambitionierten Ziele den gewünschten Einfluss auf die Mobilität in Deutschland?
Wenn ich auf das letzte Jahr des Bundesministeriums für Verkehr zurückblicke, kann ich nur feststellen: Die Sache hat durchaus ihre Tücken. Es ist nicht so, als würde ich mir unser neu formiertes Ministerium als strahlenden Helden der Mobilitätswende vorstellen. Vielmehr ist es eine Art kompliziertes Puzzle, bei dem die Teile nicht so recht zusammenpassen wollen. Die ambitionierten Zielsetzungen sind ohne Zweifel lobenswert, aber die Realität scheint sich in einem unaufhörlichen Stau zu befinden.
Zunächst einmal ist da der ungelöste Konflikt zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern. Die Bundesregierung hat sich zwar einer grünen Wende verschrieben, doch im Alltag kämpft jede Verkehrsform (eisenbahnbasiert, motorisiert oder sogar zu Fuß) um ihre Daseinsberechtigung. Die Bahn hat einen Modernisierungsschub nötig, während die Straßen von den Abgasen der PKWs bedrängt werden, deren Zahl weiterhin in die Höhe schießt. Wer hätte gedacht, dass man so viel Verkehr auf einem einzigen kleinen Planeten unterbringen kann? Es bleibt zu hoffen, dass man nicht auf einen Verkehrskollaps zusteuert, während man darauf wartet, dass die Politik endlich den Überblick behält.
Ein weiterer Punkt, der mir immer wieder ins Auge fällt, ist die unzureichende Förderung nachhaltiger Verkehrsmittel. Fahrräder? E-Scooter? Wo man auch hinschaut, geheime Wettbewerbe zwischen den Kommunen um die unattraktivsten Radwege finden statt. Ich frage mich oft, ob die Ministerialen sich tatsächlich jemals auf ein Rad gesetzt haben, oder ob sie nur Pläne auf dem Papier skizzieren. Der Fahrzeugverkehr wird nach wie vor bevorzugt, und das grüne Gewissen wird mit neuen Straßen und Parkplätzen beruhigt. Wie viele Bäume mussten für die letzte Straße sterben?
Eine mögliche Gegenposition zu meiner Kritik könnte lauten, dass Geduld gefragt ist und dass man zunächst die Grundlagen schaffen müsse, bevor man die großen Visionen verwirklicht. Diese Perspektive hat ihre Berechtigung, und ich verstehe die Schwierigkeiten, die mit der Planung und Umsetzung von Verkehrsinfrastruktur einhergehen. Dennoch kann man auch ohne viel Lärm darauf hinweisen, dass die Zeit nicht stillsteht. Die Welt um uns herum verändert sich rasant, und der ökologische Druck drängt uns, schneller zu handeln.
Die Frage bleibt: Wird das Bundesministerium für Verkehr irgendwann den Mut aufbringen, über das Gewohnte hinauszudenken? Vielleicht sollten wir dies nicht nur in einem Jahr Bilanz ziehen, sondern fortlaufend die Entwicklungen beobachten. Es ist an der Zeit, nicht nur die Pläne zu überprüfen, sondern auch das zu tun, was nötig ist, um den Verkehr in Deutschland nachhaltig zu gestalten.
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