Politik

Die EU ohne die USA: Ein riskantes Unterfangen?

EU-Politiker diskutieren über eine Verteidigungsunion, ganz ohne die USA. Eine spannende, aber auch gefährliche Entwicklung in der europäischen Sicherheitspolitik.

vonDavid Weber29. Juli 20263 Min Lesezeit

In den letzten Wochen gab es immer wieder Schlagzeilen über die militärischen Ambitionen der EU, vor allem im Hinblick auf eine mögliche Verteidigungsunion ohne amerikanische Unterstützung. Wenn man die Diskussionen verfolgt, kann man kaum leugnen, dass da ein gewisser Druck im Kessel ist. Immer mehr EU-Politiker plädieren dafür, die eigene Verteidigung in die eigenen Hände zu nehmen. Doch ist das wirklich der richtige Weg?

Man könnte denken, dass die Abkopplung von den USA in der Verteidigungspolitik eine Art Befreiungsschlag für Europa wäre. Schließlich wird oft argumentiert, dass die EU unabhängiger und handlungsfähiger werden muss. Aber wenn wir ehrlich sind, gibt’s da auch große Risiken. Die USA sind seit Jahrzehnten nicht nur ein verbündeter, sondern auch ein schützender Riese. Ohne deren Unterstützung könnte Europa in gefährliche Gewässer geraten.

Es ist interessant zu beobachten, wie viele Stimmen jetzt laut werden, die einen EU-weiten Ansatz zur Sicherheit fordern. Da wird von strategischer Autonomie gesprochen, als wäre das eine einfache Lösung. Du musst dir nur mal die verschiedenen militärischen Kapazitäten der EU-Staaten anschauen: Sie sind alles andere als einheitlich. Manche Länder sind gut aufgestellt, andere haben kaum Ressourcen, um eigene Truppen zu entsenden.

Ein weiteres Argument, das oft angeführt wird, ist die geopolitische Lage. Die Welt ist unübersichtlicher geworden, die Bedrohungen sind vielschichtiger. Auf dem Papier klingt es ja einleuchtend, dass Europa seine eigenen Sicherheitsinteressen verteidigen sollte. Aber, und das ist ein großes Aber: Die EU hat keine gemeinsame Außenpolitik, geschweige denn eine gemeinsame Verteidigungsstrategie.

Du könntest jetzt einwenden, dass die EU eine Geschichte der Zusammenarbeit hat. Und ja, das stimmt. Aber wenn’s hart auf hart kommt, zeigen sich oft die nationalen Interessen der Mitgliedstaaten. In Krisenzeiten könnte es schwierig werden, einheitlich und schnell zu handeln. Das hat man schon bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise oder der Reaktion auf den Ukraine-Konflikt gesehen.

Und jetzt stell dir mal vor, dass Europa wirklich versucht, eine unabhängige Verteidigungsunion aufzubauen. Welche Prioritäten setzen die einzelnen Länder? Wie teilen sie Ressourcen auf? Und vor allem: Wer übernimmt die Führung?

Hinzu kommt das Thema der Finanzierung. Verteidigung kostet Geld, und das nehmen viele EU-Staaten bisher nicht ernsthaft in Angriff. Das ist nicht nur eine Frage der Ausgaben, sondern auch der politischen Willensbildung. In vielen Ländern gibt es eine fundamentale Skepsis gegenüber höheren Verteidigungsausgaben, das sehen wir bei den laufenden Haushaltsdebatten.

Die Hoffnungen, die jetzt in die europäische Verteidigungsunion gesetzt werden, sind also mit Vorsicht zu genießen. Du könntest meinen, dass so eine Union Europa auf der Weltbühne stärken würde. Aber in Wirklichkeit könnte sie auch zu einer Spaltung führen.

Die Belange und Ansichten der unterschiedlichsten Mitgliedsstaaten könnten am Ende mehr Zeit in Anspruch nehmen, als dass sie den gewünschten militärischen Nutzen bringen. Und was passiert, wenn ein EU-Staat unter Druck gerät? Wir stehen vor einem Dilemma: Entweder wir ziehen den Artikel 5 des NATO-Vertrags heran – was NATO auch bedeuten würde, uns von den USA abhängig zu machen – oder wir versuchen, alles selber zu regeln, was wie gesagt, problematisch ist.

Die Debatten rund um eine europäische Verteidigungsunion sind also alles andere als klar. Auf der einen Seite ist der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit verständlich. Auf der anderen Seite stehen die praktischen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Will Europa wirklich die Verantwortung für seine eigene Sicherheit übernehmen? Oder ist das lediglich ein gefährliches Glücksspiel, das gefährliche Folgen haben könnte?

Die nächsten Monate und Jahre werden zeigen, in welche Richtung die EU steuert. Sicherlich, es gibt einige positive Ansätze, aber ob sie ausreichen, um eine nachhaltige und von den Mitgliedstaaten getragene Verteidigungsunion hervorzubringen, bleibt abzuwarten.

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